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(Bild: Pixabay)

Nach der US-Präsidentenwahl

Die Wahl war entschieden noch bevor sie zu Ende ging. Weißer Rauch stieg hinauf in den Himmel – von Feuerwerken. Donald Trump und nicht Hillary Clinton wird der neue Präsident der USA werden. Doch keine Panik: Das Land von Lincoln und Reagan hält auch ihn aus. Es spielt keine Rolle, wie die Person heißt, die das Amt bekleidet. Auch das Höchste.

Die ersten Posts von der Ostküste weckten gegen halb vier ­Uhr morgens. Massachusetts war durch – und ging nicht an Clinton. Damit war alles entschieden und ans Einschlafen nicht mehr zu denken. Telefonstimmen der Bekannten aus der Nähe von New York klingen dramatisch: Sie sind entsetzt. Donald Trump wird der 45. Präsident der USA.

Was tun? Sender überschlagen sich mit „superaktuellen“ Neuigkeiten, Internet und Soziale Medien schwellen richtig an. Überall heißt es nun, die Apokalypse naht. Es sei nur noch die Frage der Zeit, wann der nächste Krieg beginnt und überhaupt, das mit den Frauen. Und: Er sei so peinlich. Usw.

USA halten auch einen Trump aus

Noch bevor das erste Meeting am Morgen beginnt wird eines deutlich: Es ist eine Hysterie. Gibt es besonnene Stimmen? Hier eine von ihnen, jene, die am nächsten liegt: Das politische System der USA hält Trump aus. Und wenn nicht, dann gehörte es geändert. Es hat schon in seiner  Geschichte so manchen Exzentriker auf dem Präsidentensessel ertragen. Sie alle blieben Ausnahmen, welche die Regel bestätigen.

Von der Zwanzigdollar-Note blickt bis heute Andrew Jackson. Glaubt man den historischen Quellen, war er umstritten. Franklin D. Roosevelt war leidend, Kennedy ein Dandy. Richard Nixon, ein Quäker, lud – so heißt es – Außenminister Kissinger oft ein: „Knien Sie nieder, Henry, wir beten zusammen!“ Und das noch vor der Watergate-Affäre, die ihn bekanntlich das Amt kostete. Ronald Reagan war bloß ein Schauspieler, aber er spielte die Rolle so gut, dass sein Nachfolger (Bush Senior) den Mauerfall feiern durfte. Bill Clinton sei triebhaft, der zweite Bush ein Kriegstreiber gewesen.

Nur vom weichen Trampolin springt man hoch ab

Die USA hätten nicht über 240 Jahre des Machwechsels überstanden, hätten sie nicht ein stabiles politisches System. Es gleicht radikale Ausbrüche ideologisch verseuchter Amtsträger mit dem berühmten amerikanischen Pragmatismus aus. Jeder von uns, der Trumps Wahl kritisiert, soll Folgendes bedenken: Der Urlauber, der zuhause ein offenes Fenster zurück lässt, lädt Einbrecher ein. Und beraubt sich des Versicherungsschutzes. Ähnlich arrogant war es, Wahlversprechen nicht umzusetzen oder gar keine zu machen – und den Bürgern damit pure Verachtung zu offenbaren.

Nun hat der Wähler einmal in vier Jahren die Möglichkeit, sein Wort zu sagen. Ein knappes. Dann folgt eine lange Periode, in der Wähler die Politiker anschweigen und ihnen zuhören dürfen. Aber wer  #diewirklichwichtigenThemen den radikalen „Wirrköpfen“ überlässt, erschafft radikale – weil verzweifelte – Wähler. Donald Trump ist ein Geschäftsmann und weiß: Zuerst kümmere ich mich um meine Kunden. Das waren diesmal eben Wähler, seine Neukunden. Er hat sie akquiriert.

Alternative für die USA?

Weil es so ist: Der immer überflüssige Kotau stellt die Zeitangestellten des Souveräns zu hoch. Aber selbst wenn er Politiker erhebt, dann nicht auf den Olymp. Sondern in Wahrheit höchstens auf einen dünn bewaldeten Hügel. Dort, in der Märchenwelt, hinter dem Gehölz, lugen lange hölzerne Nasen hervor. Man hört dem Kauderwelschen – „Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen!“ – zu und einem lauten Pfeifen. Angst?

Es soll Menschen geben, die sich Gesichter und Namen schwer merken; womöglich weil sie so schnell vom Thema ablenken. Zumal es auch anders ginge: Die Person, die das Bundeskanzleramt bekleidet, ist mitnichten „jenes höhere Wesen, dass wir verehren“. Der Eidgenössische Bundesrat hat als kollegiales Organ der Exekutive mehrere Gesichter – und Namen. Damit wird die Arbeit dieser Kollegialbehörde entpersonalisiert und versachlicht. Doch würde man ihre Mitglieder aufs Podest stellen und beweihräuchern, entstünde nicht auch hier ein „Mehr-Virat“ oder eine  „Poly-Faltigkeit“?

Die Lösung lauert im Schweizer Käse-Loch

Es wäre der Weg zurück in die finsteren Zeiten der Monarchien. Anders als in der Schweiz rollten nach 1789 in Frankreich die Köpfe von Aristokraten. Da wurde der „Mob“ mal „persönlich“. Aber sie rollten gemäß unserer Leserichtung sozusagen nach links, also in die Zukunft; nicht sehr lange vorher rollten welche in England zurück, also nach rechts, und da bleiben sie bis heute („Brexit“).

So betrachtet ist die Schweiz niemals bloß ein Loch im Emmental, sondern dank ihrem Polit-System eine vernünftige und so ärgerlich unweit gut funktionierende – ja, beneidete! – echte Alternative. Alles Andere bleibt Käse: AfD, AfA, AfF…

Bitte bloß nicht persönlich werden!

Die Ablenkung mit Personalien schadet. Indem wir persönlich werden, machen wir souveränen Wählern ein schlechtes Angebot. Dieses kann jeder mündige, engagierte Bürger nur ablehnen. Er holt sich dann passende Offerten bei schlechter Konkurrenz. Bei denen, die #wirklichwichtigeThemen eigentlich weder diskutieren noch realisiern wollen. Lassen Sie uns deshalb bei den Themen bleiben anstatt Politik – also alles was uns alle betrifft – auf Personen zu rdeuzieren!

Aber, aber! Wir wollen doch nicht persönlich werden. Im Gegenteil: Das Amt von der Person so sauber trennen, wie das Eigelb vom Eiweiss. Einmal getrennt, soll niemand versuchen, beide wieder zu vereinigen. Geht sowieso nicht. Nein, wir bleiben sachlich. Wer bleibt mit?